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Rechtstipps für ein erfolgreiches Praktikum  


Das Praktikum ist eine wunderbare Möglichkeit, für kurze Zeit in einen Betrieb zu schnuppern und nach einer Einarbeitungszeit festzustellen, ob der angebotene Job etwas für einen ist – oder nicht. Dabei kommt man herum, lernt interessante Menschen kennen und genießt einen innerbetrieblichen „Welpenschutz“. Soweit die Theorie.

In der Praxis kann ein Praktikum aber ganz unterschiedlich aussehen. Abhängig von Unternehmen, Vorgesetzten, Ort und Branche hat man unter Umständen die Chance, entweder nach 6 Monaten die Kaffeemaschine mit verbundenen Augen und in Rekordzeit mit der Lieblingsmarke in der Lieblingsstärke des Chefs zu befüllen und das Heißgetränk anschließend auf den Punkt temperiert (mit zwei Stück Zucker) zu servieren – oder man hat sich monatelang täglich 12 bis 14 Stunden unbezahlt durch Bilanzentabellen gearbeitet, die der betreuende Associate beim nächsten Vorstandsmeeting stolz als Ergebnis seiner harten Arbeit präsentiert. Zugegebenermaßen sind das die jeweils ungünstigsten Praktikumsverläufe, die man als Student oder Berufseinsteiger erleben kann, aber es gibt sie. Doch kaum ein junger Akademiker kann es sich leisten, mehrere Monate oder ein halbes Jahr seiner frischen Erwerbsbiographie zu vergeuden oder danach einen mehrmonatigen Urlaub zu benötigen. Um nicht als billige Arbeitskraft zu enden, sondern das Optimum aus seiner Stage herauszuholen, sind eine gute Vorbereitung und arbeitsrechtliche Grundkenntnisse das A und O der „Generation Praktikum“. Denn: auch für Praktika gibt es Regeln!

Die stehen in unserem kurzen Crashkurs im Arbeitsrecht:

Wer ist überhaupt Praktikant?

Ein Praktikum ist nach der Rechtsprechung eine „auf eine bestimmte Dauer ausgelegte Vertiefung erworbener oder zu erwerbender Kenntnisse in praktischer Anwendung oder für das Erlernen neuer Kenntnisse und Fähigkeiten durch praktische Mitarbeit in einer Organisation, in einem Arbeitsprozess oder in einer Institution.“ Aber nicht jeder, der einen Praktikumsvertrag erhält, ist auch Praktikant im Rechtssinne. Das ist nämlich nur, wer ein Pflichtpraktikum absolviert, das von einer Prüfungsordnung zwingend als studien- bzw. ausbildungsbegleitend vorgeschrieben ist. Die Juristen kennen so etwas beispielsweise im ersten Staatsexamen. Die Mediziner machen im Rahmen ihres Staatsexamens die Famulatur. Das Laborsemester einiger Naturwissenschaftler heißt zwar oft Praktikum, gilt aber nicht als solches. Volontäre, Trainees und Erprobungspraktikanten gelten nicht als echte Praktikanten, sondern als normale Arbeitnehmer. Sie haben Anspruch auf eine angemessene Vergütung, den gesetzlichen Erholungsurlaub und Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall. Außerdem gelten für sie die gesetzlichen Kündigungsschutzbestimmungen und gegebenenfalls das Jugendarbeitsschutzgesetz. Sonderregeln für freiwillige Praktika und Praktika nach dem Studium stehen im Berufsbildungsgesetz (siehe weiter unten).

Praktische Studienzeit

Die schlechte Nachricht zuerst: Für Studienpraktika gelten die Arbeitsschutzgesetze meist nicht. Wer ein Pflichtpraktikum nach der Prüfungsordnung verrichtet, hat keinen Vergütungsanspruch. In einigen Studienordnungen ist sogar festgelegt, dass man selbst freiwillig gezahlte Vergütungen nicht annehmen darf. Tut man das doch, läuft man Gefahr die Prüfungsleistung aberkannt zu bekommen. Außerdem: Es gilt „hire and fire“. Kündigungsschutz gibt es ebenfalls nicht, wer nicht mehr gewollt ist, muss sofort seine Sachen packen. Die Kündigung muss nicht mal schriftlich erfolgen – beweisen muss sie im Zweifel aber dennoch der Arbeitgeber. Zumindest ein Recht hat man: Im Rahmen des Pflichtpraktikums darf Euch der Arbeitgeber nur Tätigkeiten zuteilen, die dem Ausbildungssinn entsprechen. Kaffeekochen gehört in den meisten Berufen zum Glück nicht dazu. Aufgaben außerhalb der Vorschriften der Studien- oder Prüfungsordnungen dürfen nämlich höchstens bei Gelegenheit übertragen werden.

Freiwilliges Praktikum während des Studiums

Wer im Gegensatz dazu während seines Studiums freiwillig seinen Horizont erweitern möchte, wird dafür meist belohnt. Ein solches Praktikum wird – wenn auch eine tatsächliche Einbindung in den Arbeitsbetrieb stattfindet – meistens als normales Arbeitsverhältnis mit Lohnanspruch gesehen.

Die Vergütung: Hängt von der Tätigkeit ab. Wenn schon im Praktikumsvertrag die Pflichten eines gewöhnlichen Arbeitnehmers aufgeführt sind, spricht vieles für ein Scheinpraktikum. Bekommt der Praktikant dafür keine oder eine zu geringe Vergütung, ist der Vertrag teilweise sittenwidrig und damit ungültig. Neben dem Vergütungsanspruch ist ein solches Scheinpraktikum auch sozialversicherungspflichtig. Wenn man also nicht familienversichert oder anderweitig abgesichert ist, fallen Abgaben für den Arbeitgeber (aber eventuell auch für den Praktikanten) an. Zusätzlich kann das „Praktikumsverhältnis“ auch rentenbeitragspflichtig sein. Die Voraussetzungen dafür listet die Deutsche Rentenversicherung auf. Auch was die Arbeitsumstände angeht, hat es der freiwillige Praktikant meist besser als sein „zwangsrekrutiertes“ Gegenstück: Tägliche Arbeitszeit von 8 Stunden, 30 Minuten Mittagspause, 24 Urlaubstage im Jahr (bei einer Sechstagewoche), Ersatzruhetage für Sonntagsdienst und eine gesetzlich vorgeschriebene Kündigungsfrist sind im Vergleich zum Studienpraktikum luxuriös.

Achtung beim BAFöG: Wer während des Studiums ein freiwilliges Praktikum absolviert, dass kaum mehr Zeit für das eigentliche Studium birgt, läuft Gefahr, seinen BAFöG-Anspruch zu verlieren; Es sei denn, das Praktikum liegt komplett in den Semesterferien. Praktikumsvergütungen werden unter Umständen trotzdem auf den BAFöG-Bedarf angerechnet. Lieber vorher beim Studentenwerk informieren!

Praktikum nach dem Studium

Das Praktikum nach dem Studium ist für viele Akademiker die Möglichkeit, sich im Wunschjob zu beweisen. Entsprechend gern nutzen einige Arbeitgeber diese Möglichkeit zur billigen Arbeitskraftbeschaffung aus. Was viele nicht wissen: Weil der Prüfungszweck wegfällt, gilt in einem solchen Praktikum die Sozialversicherungspflicht. Das gilt auch für Lehrer und Juristen, die für ihr zweites Staatsexamen ein Referendariat ableisten müssen. Bei Medizinern hingegen ist das Praktikum nach dem Abschluss seit 2004 keine Approbationsvoraussetzung mehr. Das gilt aber nicht, wenn die Aufwandsentschädigung unter 450 Euro im Monat liegt. Bis 800 Euro gibt es eine Gleitzone, in der sich Arbeitgeber und Praktikant die Kosten teilen. Generell muss auch ein nachstudentisches Praktikum vergütet werden. Nach § 26 Berufsbildungsgesetz (BBiG) gelten die Vorschriften daraus auch „für Personen, die eingestellt werden, um berufliche Fertigkeiten, Kenntnisse, Fähigkeiten oder berufliche Erfahrungen zu erwerben, ohne dass es sich um eine Berufsausbildung im Sinne dieses Gesetzes handelt“. Damit haben solche Praktikanten nach § 17 BBiG einen Vergütungsanspruch in „angemessener“ Höhe. Was angemessen ist, richtet sich nach dem branchenüblichen Lohn und der Qualifikation des „Praktikanten“. Das Hessische Landesarbeitsgericht (Az.: 3 Sa 1818/99) sprach 2001 der Schein-Praktikantin einer Werbeagentur, die zehn Monate lang täglich 8 Stunden arbeitete eine Kompensation von 18.000 DM zuzüglich Zinsen zu. Einer Diplomingenieurin (FH) hat das Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg (Urteil vom 08.02.2008, 5 Sa 45/07) knapp 8.500 Euro Restlohn zugesprochen, weil sie ein halbes Jahr Vollzeit für 375,00 Euro im Monat gearbeitet hatte.

Mindestlohn für Praktikanten?

Ab 2015 wird in Deutschland sukzessive der Mindestlohn in allen Branchen eingeführt. Er soll allerdings nur beschränkt für Praktikanten gelten. Nur unechte Praktika sollen von der Regelung erfasst werden. Für Studien- und Schülerpraktika ist keine Änderung in Sicht.

Was tun?

Praktika können spannend sein und bringen meist eine Menge Erfahrung. Auch der Lebenslauf profitiert von markanten Stationen. Trotzdem Vorsicht: Die Aneinanderreihung vieler Praktika kann auch nachteilig sein. Bei der Bewerbung solltet Ihr nicht wirken, als würdet Ihr euch unter Wert verkaufen.

Tipps für ein erfolgreiches Praktikum:
  • Was will ich erreichen? Welche Zeit habe ich dafür? Welche Personen will ich kennenlernen? In welche Themenbereiche reinschnuppern? Macht Euch einen Praktikumsplan.
  • Lasst Euch zu Beginn einen Praktikumsvertrag geben!
  • Holt Euch am Ende eine Praktikumsbescheinigung und im besten Fall: Ein Praktikumszeugnis.
  • Wenn Ihr Euch über die Vergütung unsicher seid: Anhaltspunkte für angemessene Vergütungen werden jedes Jahr vom Bundesinstitut für Berufsbildung veröffentlicht.
  • Weitere Tipps rund um das Thema Praktikum stellt das Bundesministerium für Arbeit & Soziales bereit.

Über den Autor: Franziska Hasselbach ist Inhaberin der Kanzlei Hasselbach mit Standorten in Köln, Frankfurt am Main und Groß-Gerau. Sie ist als selbständige Rechtsanwältin auf Arbeitsrecht spezialisiert und berät Arbeitgeber, Arbeitnehmer, Betriebsräte und Führungskräfte in allen Fragen des individuellen und kollektiven Arbeitsrechts.

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